A Monthly Digital Diary
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Brief aus Berlin

 
Willkommen zum Brief aus Berlin!

Dieser Brief aus Berlin beginnt mit unseren beiden Ausstellungen, von Etienne Chambaud und von Rosa Barba, die morgen in der Galerie eröffnen.

Und natürlich hoffen wir, dass Sie unsere Pop-up-Ausstellung En la casa de Marquès in Palma de Mallorca besuchen werden, die am 12. Juli beginnt und bis zum 31. Juli zu sehen ist.

Mit der beginnenden Reisezeit ist unser Focus auf Ausstellungen im europäischenn Umland. Simon Fujiwara zeigt sein Projekt Who the Bær im Kunstinstituut Melly in Rotterdam und in der Fondazione Prada in Mailand. Ari Benjamin Meyers' The Long Parade wird bis Oktober Musik an Orte entlang der flämischen Küste bringen. Sein Projekt ist Teil der 7. Beaufort Triennale, die auch eine permanente Skulptur von Rosa Barba, Pillage of the Sea, in Auftrag gegeben hat. Ebenfalls in Flandern nehmen Ryan Gander und Ugo Rondinone an Paradise Kortrijk 2021, der Triennale für zeitgenössische Kunst, mit Werken teil, die in der ganzen Stadt installiert sind. In Arles feiert die Luma Foundation die Fertigstellung ihres Kreativ-Campus mit neuen permanenten Kommissionen, einer neuen Sammlungspräsentation und temporären Ausstellungen. In Reggio Emilia ist noch bis Sonntag eine gemeinsame Ausstellung von Martin Boyce und Thomas Demand zu sehen. Gabriel Kuris Präsentation in der Buchhandlung Saint-Martin in Brüssel hat sich jede Woche verändert. In der Berliner Akademie der Künste ist eine neue Arbeit von Cemile Sahin zu sehen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit unserem Brief aus Berlin!

 

Etienne Chambaud

Detail: Etienne Chambaud, Uncreature, 2021. Photo © Etienne Chambaud
Morgen, am 3. Juli, eröffnet die Ausstellung Inexistence von Etienne Chambaud, die erste des Künstlers mit der Galerie. Zu den ausgestellten Werken gehören eine olfaktorische und eine akustische Installation, eine skulpturale Arbeit, die einen bestimmten Temperaturverlauf erzeugt, drei Lichtinstallationen, Glasarbeiten, Bronzeskulpturen und modifizierte Tafelbilder.

Der Titel, Inexistence, suggeriert die Ausstellung als Zustand widersprüchlicher Gegebenheiten, als einen Ort, an dem Dinge und Wesen abwechselnd oder simultan entstehen, sich verändern oder abwesend bleiben können. Die Arbeiten in der Ausstellung teilen eine gewisse Grundspannung zwischen dem, was erlebt, wahrgenommen und verstanden werden kann. Sie manifestieren sich als flüchtige Sinneseindrücke - Wahrnehmungen von Geruch, Klang, Licht und Wärme -, die erscheinen und wieder vergehen. Doch inmitten dieser Ausstellung wird auch die Gewissheit des Betrachters in die eigene Position destabilisiert, ebenso wie die Notwendigkeit seiner Anwesenheit.

Etienne Chambaud arbeitet in einem breiten Spektrum von Medien und erforscht die Kategorien, welche wir Erfahrungen, Objekten und Disziplinen auferlegen. Einzelne Werke, Installationen und Ausstellungen destabilisieren die Vorstellungen davon, was Kunst ist und sein kann, wie ein Künstler ein Werk konzeptualisiert und produziert, und die Form, Funktion und Geschichte der Ausstellung. Schön und komplex, können Chambauds Werke die Art und Weise verändern, wie wir sehen und wissen.
 

Rosa Barba

Rosa Barba, Printed Cinema, 2004 - , Edition von 200. Herausgeber: Dancing Foxes Press. Photo © Mizuki Kin
Im Vorfeld von Rosa Barbas großer Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie in
Berlin, die am 22. August eröffnet wird, präsentieren wir vier Werke der Künstlerin. Außerdem erscheint anlässlich der Präsentation in der Galerie eine spezielle Edition ihrer Publikationsreihe Printed Cinema in einem Boxset, das von Dancing Foxes Press, Brooklyn herausgegeben wird.
Rosa Barba setzt sich mit dem Medium Film durch eine skulpturale Perspektive auseinander. Die Installationen und ortsspezifischen Interventionen der Künstlerin analysieren die Art und Weise, wie Film den Raum artikuliert und Werk und Betrachter in neuartige Beziehungen bringt. Mit großer konzeptioneller Eleganz und einer ausgeprägten Aufmerksamkeit für die Materialität des Mediums, untersucht Barba die Geschichte und Industrie des Films und seine Inszenierung in Bezug auf Geste, Genre, Information und Dokumente. Fixed in Fleeting. Performative Objects and Tape Journals stellt die skulpturale Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem eigentlichen Medium des Films - Zelluloid - als Material und als Speicher von Wissen in den Vordergrund.

Integraler Bestandteil von Barbas Präsentation ist das limitierte Box-Set ihrer Printed Cinema-Publikationen. Die 2004 begonnene Reihe wird begleitend zu Barbas Filmprojekten veröffentlicht und schafft eine Art sekundäre Literatur, die aus Filmstills, Texten und Fotografien, einschließlich Recherchematerial und ungenutzten filmischen Fragmenten, besteht. Die Publikationen, die sich mit zentralen Tendenzen ihrer Arbeit auseinandersetzen, sind nicht als Begleitmaterial zu Barbas Installationen gedacht, sondern als ausgedehnte und frei gestaltete Wort- und Bildexperimente, die parallel zu den Filmerfahrungen zu sehen sind oder für sich allein stehen können.

Sie können die Edition hier vorbestellen.
Rosa Barba, Plastic Limits, For the Projections of Other Architectures, 2021, 35 mm Film, Farbe, optischer Sound, Dauer: 14:30 Min. Film Still © Rosa Barba
Zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie präsentiert Rosa Barba eine Reihe von Arbeiten unter dem Titel In a Perpetual Now. Neben zentralen Stücken ihres Gesamtwerks der Jahre 2009 bis 2021 wird auch ein neuer Film gezeigt, der anlässlich der Ausstellung entstanden ist.

Die raumgreifende Stahlkonstruktion nimmt in ihrer architektonischen Struktur Bezug auf Mies van der Rohes frühes Projekt „Landhaus aus Backstein“ und zeigt insgesamt 15 filmische und skulpturale Werke. Die eigens für die Architektur der Neuen Nationalgalerie entwickelte räumlich-architektonische Konstruktion folgt dem Prinzip der filmischen Montage, die eine Schlüsselrolle im Werk der Künstlerin einnimmt.
Rosa Barba, From Source to Poem, 2016, 35 mm Film, Farbe, optischer Sound, Dauer: 12 Min.
Film Still © Rosa Barba
 

En la casa de Marquès – Esther Schipper in Mallorca

Photo © Domingo Llull. Courtesy of Casa Museo Can Marquès
Besuchen Sie uns vom 12. bis 31. Juli 2021 für eine ganz besondere Ausstellung mit dem Titel En la casa de Marquès [Im Haus des Marquès], die im Casa Museo Can Marquès stattfindet – der ehemaligen Residenz von Martí Marquès Marquès, einem Bourgeois des 19. Jahrhunderts, der sein Vermögen in Puerto Rico aufbaute, bevor er sich 1901 nach seiner Rückkehr nach Mallorca hier nieder ließ. Das Haus befindet sich in der Carrer de Can Anglada, zwischen der Kathedrale und dem Rathaus, und stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Die Ausstellung erstreckt sich über ein Stockwerk des Hauses und präsentiert eine außergewöhnliche Auswahl an neuen und bedeutenden Werken von 24 Künstlerinnen und Künstlern der Galerie, darunter Installationen, Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Arbeiten auf Papier.

Mit Werken von: Rosa Barba, Stefan Bertalan, Martin Boyce, Sarah Buckner, Angela Bulloch, Etienne Chambaud, Jean-Pascal Flavien, Ceal Floyer, Simon Fujiwara, Ryan Gander, Francesco Gennari, Liam Gillick, Dominique Gonzalez-Foerster, Rodney Graham, Ann Veronica Janssens, Gabriel Kuri, Isa Melsheimer, Florin Mitroi, Roman Ondak, Ugo Rondinone, Anri Sala, Karin Sander, Julia Scher, und Daniel Steegmann Mangrané.

Die Architektur des Casa Museo Can Marquès hat im Laufe der Zeit zahlreiche Transformationen erfahren. Obwohl die Eingangshalle barocke Züge trägt, ist einer der dominierenden Stile neoklassizistisch, mit einigen Besonderheiten wie u.a. der elliptischen Form der Kapelle und einer der Haupträume – eine ungewöhnliche Konfiguration für eine mallorquinische Privatresidenz aus dieser Zeit.

Einige der umfangreichsten Umgestaltungen wurden von Martí Marquès Marquès zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeleitet. Die Renovierung wurde von dem Architekten Francesc Roca Simó durchgeführt, der einige der bedeutendsten Beispiele des Art Nouveau in Palma geschaffen hat. Den neuesten Ansätzen in Bezug auf die häusliche Hygiene folgend, verkleidete Roca Simó die Wände der Küche – die sich seit dem Mittelalter an derselben Stelle befindet – mit weißen Kacheln. Roca Simó ließ auch andere Elemente des Art Nouveau in das Haus einfließen, so z. B. das Esszimmer und die Treppe aus Stein und Schmiedeeisen.
 

Simon Fujiwara – Kunstinstituut Melly

Ausstellungsansicht: Simon Fujiwara, new work, Kunstinstituut Melly, Rotterdam, 2021. Photo © Jeroen Lavèn
Für seine erste Einzelausstellung in den Niederlanden präsentiert Simon Fujiwara Werke aus seinem jüngsten Projekt Who the Bær im Kunstinstituut Melly. Entwickelt während des Lockdowns im Frühjahr 2020, schuf Fujiwara einen einzigartigen Cartoon-Charakter in Form eines Jeans tragenden Bären mit einem goldenen Herzen und einer unkontrollierbar langen Zunge, der scheinbar kein Geschlecht, keine Rasse, keine Sexualität oder gar ein klares Design hat. Ohne Identität existiert Who nur als Bild, ein Status, der ihnen die Freiheit gibt, durch eine Welt von Online-Bildern zu streifen und sich Charaktere, Identitäten, Ästhetiken und Gestalten in einer gierigen Suche nach einem "Selbst" anzueignen.

Mit einer instinktiven und responsiven Hand gemacht, konzentriert sich diese Ausstellung größtenteils auf collagierte Arbeiten, die uns die Grundprinzipien dieser Figur durch eine Meme-ähnliche, Cut-and-Paste-Ästhetik näher bringen. In einer fragmentierten, thematischen Umgebung aus überdimensionalen Bären-Cut-Outs entdecken wir durch die absurden Abenteuer eines Cartoon-Bären die Freuden und Traumata, die Gewalt und das Vergnügen des Lebens in der medialen modernen Welt.

Who the Bær kann auch über ihren offiziellen Instagram-Account verfolgt werden @whothebaer.
Click the image to experience the Online Viewing Room
Simon Fujiwara, Who for President, 2021, Skulpturale Videoinstallation, Dauer: 1:33 Min.
Video © Simon Fujiwara
 

Simon Fujiwara – Fondazione Prada

Ausstellungsansicht: Simon Fujiwara, Who the Bær, Fondazione Prada, Mailand, 2021. Photo © Andrea Rossetti
Für dieses Projekt, das für das Erdgeschoss des Podiums in den Mailänder Räumlichkeiten der Fondazione Prada konzipiert wurde, führt Simon Fujiwara das Publikum in die märchenhafte Welt von Who the Bær ein, einer originellen, vom Künstler geschaffenen Zeichentrickfigur. Who the Bær ist ein Cartoon-Bär ohne klaren Charakter - "Who", wie sie genannt werden, scheinen noch keine starke Persönlichkeit oder Instinkte entwickelt zu haben, sie haben keine Geschichte, kein definiertes Geschlecht oder gar eine Sexualität. Who the Bær weiß nur, dass sie ein Bild sind, und sie versuchen, sich in einer Welt voller anderer Bilder zu definieren.

Die Abenteuer von Who the Bær werden in der Fondazione Prada in einem riesigen Labyrinth präsentiert, das fast vollständig aus Pappe und wiederverwertbaren Materialien besteht und die Form eines riesigen Bären hat. Während der Besucher durch die bärenähnliche Installation reist, wird er in das grundlegende Design und die Gestaltung der Cartoon-Figur Who the Bær eingeführt, bevor er sich auf eine Reihe von Abenteuern einlässt, die Who the Bær durch ihre Märchenwelt folgen. Erzählt durch Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Animationen, werden wir Zeuge von Who the Bær in ihrer immerwährenden Suche nach einer Identität.

Inspiriert von der Tradition der Märchen sowie von modernen Animationsfilmen, nutzt Fujiwara die Mechanismen der Fantasie, um einige der Freuden und Traumata zu erforschen, denen wir als eine von Bildern und Spektakeln besessene Gesellschaft ausgesetzt sind.
 

Spotlight

Simon Fujiwara, Who's Childhood?, 2021, Skulpturale Videoinstallation, Dauer: 2:27 Min, 164 x 73 x 73 cm,
Ausstellungsansicht: AMTSALON, Berlin, 2021. Photo © Andrea Rossetti
Simon Fujiwaras Projekt Who the Bær wurde während des Lockdowns im Frühjahr 2020 entwickelt und steht nun im Mittelpunkt einer großen Ausstellung in der Fondazione Prada, Mailand, und dem Kunstinstituut Melly, Rotterdam.
See the Spotlight
 

Ari Benjamin Meyers – Beaufort 21

Ari Benjamin Meyers, The Long Parade (Day 1, De Panne to Koksijde), 2021. Aufgeführt bei der Beaufort 21: 7. Beaufort Triennial, Flandern, 2021. Photo © Kristien Daem
Für die siebte Ausgabe der Beaufort Triennale, Beaufort 21, präsentiert Ari Benjamin Meyers in Zusammenarbeit mit dem Wanderorchester "Die Verdammte Spielerei" The Long Parade, bis zum 17. Oktober 2021.

The Long Parade ist eine musikbasierte andauerne Performance, die von der brutalen Geschichte der belgischen Küste, dem Erinnern und Vergessen und dem Kinderspiel "Stille Post" inspiriert ist. Im Laufe des Sommers marschiert die flämische Spielkapelle "Die Verdammte Spielerei" von der französisch-belgischen Grenze in De Panne bis zur belgisch-niederländischen Grenze in Knokke und führt in zehn musikalischen Paraden eine neue Komposition von Ari Benjamin Meyers auf. Bei jeder Aufführung werden sie von einer anderen lokalen Gruppe von Musikern begleitet, die ihre eigenen Adaptionen des Stücks gemacht haben und in einer ritualisierten Weise die Musik - und eine speziell angefertigte Flagge - von einer Gemeinde zur nächsten weitergeben. Diese Aufführung, im Wesentlichen eine sich entwickelnde, bewegende Probe, wird in den kommenden Monaten fortgesetzt und erfährt weitere Mutationen, bis das Werk im Oktober in Knokke-Heist sein Finale erreicht.

Mit The Long Parade vereint Meyers die Identitäten und Geschichten der belgischen Küstengemeinden in einer neuen Komposition, die von allen adaptiert wird. Er zelebriert die Zusammenarbeit und erkennt die Individualität jedes Ortes an, während er gleichzeitig den Nebel der Erinnerung hervorhebt, der sich auf die Vergangenheit bezieht - sowohl auf die jüngere als auch auf die entferntere.

Die Teilnahme ist kostenlos und allgemein zugänglich.

Die nächsten Aufführungstermine und -orte sind:

July 4: Koksijde - Showkorps El Fuerte, Imperior De Percussion and Koninklijke Gemeentelijke Harmonie Koksijde
August 1: Nieuwpoort - Koninklijke Katholieke Harmonie Nieuwpoort
August 8: Middelkerke - Drawing Pins
August 15: Ostend - Melody Makers Ostend
August 29: Bredene - accordion group with Alain Billiouw
September 12: De Haan - Saxophone Quartet Beaufort
September 19: Blankenberge - Shanty Choir Blankenberge
September 25: Zeebrugge - Koninklijke Harmonie Vermaak na Arbeid Koolkerke
October 17: Knokke - Koninklijke Harmonie Sint-Cecilia Heist
 

Ari Benjamin Meyers – Kunstsammlung Gera und Museum für Angewandte Kunst, Gera

Ari Benjamin Meyers, Symbols used in music, 2015, Handschriftliche Partitur auf gefundenem Papier, 17,5 x 43 cm (Motiv), 32,5 x 58 x 2,8 cm (gerahmt). Photo © Andrea Rossetti
Die Ausstellung POLYPHON, Mehrstimmigkeit in Bild und Ton vereint Werke internationaler KünstlerInnen, unter ihnen Ari Benjamin Meyers, die das Aufeinandertreffen multipler Stimmen und Klänge, in sowohl konvergenten als auch divergenten Zusammensetzungen, aufzeigen. Aus unterschiedlichen Zeiträumen — von den 1970ern bis heute — und geografischen Kontexten — unter anderem Deutschland, Frankreich, Japan und Südafrika — befassen sich die Künstler_innen mit der Wirkung und Kraft von pluralen Klängen.

Die Installationen, Videos, Performances und Zeichnungen behandeln sowohl wahrnehmungs-bezogene Aspekte als auch die sozio-kulturelle und politische Dimension der Mehrstimmigkeit. Die Polyphonie bezieht sich hier sowohl auf den musikalischen Begriff, als auch auf die linguistische Definition nach Michail Bachtin, welcher auf die Artikulierung von gegensätzlichen Ausdruckssystemen, Kodierungen und Perspektiven hinweist.

Ob im Zusammenhang mit der Wunschvorstellung der Vereinigung durch Klangerfahrungen oder der Darstellung von Konflikten, hinterfragen die verschiedenen Werke die Bedeutung der Polyphonie in der heutigen Gesellschaft. Die Ausstellung versucht Spannungsfelder zwischen dem Multiplen und dem Organisierten, dem Individuellen und dem Kollektiven, der Harmonie und der Dissonanz in Einklang zu bringen.
 

Rosa Barba – Beaufort 21

Rosa Barba, Pillage of the Sea, 2021. Installationsansicht bei der Beaufort 21: 7. Beaufort Triennial, Flandern, 2021. Photo © Filip Claessens
In Ostende, für Beaufort 21, präsentiert Rosa Barba Pillage of the Sea, 2021, eine permanente Skulptur. Barba hat einen überdimensionalen Steinhügel am Strand verankert und dabei Steine mit Hilfe von in Textil gegossenem Beton imitiert. Das Textil lässt an die Form von Sandsäcken denken, mit denen Barba eine Art imaginäre Barriere gegen den zukünftigen Anstieg des Meeresspiegels schafft. Jeder Stein symbolisiert eine Stadt, deren Schicksal durch den Klimawandel bedroht ist. Im Laufe der Jahre wird Pillage of the Sea von den Wogen überflutet werden.
 

Ugo Rondinone und Ryan Gander – Paradise Kortrijk

Detail: Ugo Rondinone, your age and my age and the age of the rainbow, 2021. Ausstellungsansicht: Paradise Kortrijk, Triennial for contemporary art, Kortrijk, 2021. Photo © Tara K. Reddi
Während der Paradise Kortrijk 2021, erscheinen die beiden riesigen, farbenfrohen, regenbogenförmigen Neon-Displays von Ugo Rondinone auf dem Dach des Budatoren und der Residentie Budalys. Sie projizieren die Worte 'LONG LAST HAPPY' und 'CRY ME A RIVER' über die Stadt.

Rondinones vielseitiges Werk umfasst unterschiedliche Medien: von konzeptionellen Installationen, Fotografie, Malerei, Video, Skulptur und Zeichnungen bis hin zu poetischen Schriften. Die Bezüge zur unerschöpflichen Energie der Natur stehen im Zentrum aller seiner Werke. Seine Regenbogenskulpturen können als eine Art Landschaftskunst gelesen werden. Typisch für Rondinone ist das Arbeiten in Serien - der Regenbogen ist ein prominentes Motiv in seinem Oeuvre. Im Jahr 1997 schuf er seine erste Installation eines leuchtenden Regenbogens 'CRY ME A RIVER', der dann viele weitere folgten. Der beherzte Ausruf 'HELL YES!' erschien von 2007 bis 2010 an der Fassade des New Museum. 'LONG LAST HAPPY' wurde speziell für Paradise Kortrijk konzipiert.

Rondinones partizipative Arbeit your age and my age and the age of the rainbow, 2021 ist auch ein poetisches Projekt voller Emotionen und Hoffnung. Hunderte von Kindern aus siebzehn Organisationen und Schulen in der Umgebung von Kortrijk malten Regenbögen, die zusammen das größte Regenbogengemälde aller Zeiten bildeten. In diesen Zeiten der globalen Teilung und Unzugänglichkeit nimmt Rondinone eine offene und großzügige ethische Haltung ein. Der Künstler versucht, unseren Glauben an die Magie des Augenblicks und die menschliche Essenz der zeitgenössischen Kunst wiederherzustellen. Eine weitere Iteration dieses Projekts ist derzeit im Belvedere in Wien zu sehen.
Ryan Gander, Advice from the artist's father, 2021. Ausstellungsansicht: Paradise Kortrijk, Triennial for contemporary art, Kortrijk, 2021. Photo © Mathieu Van de Sompel
Für Paradise Kortrijk erweckt Ryan Gander seine Aussage "...time and attention are our greatest assets..." in Installationen zum Leben, die überall in der Stadt Kortrijk zu sehen sind.

Advice from the artist's father,
2021 zeigt eine Vielzahl von öffentlichen Hinweistafeln, die sich in der ganzen Stadt befinden. Sie zeigen einen Spruch, den der Vater des Künstlers oft wiederholte, als der Künstler noch ein Kind war, und der den Betrachter an seine ursprüngliche Aussage erinnert, "unsere Zeit zu schätzen und zu eigen zu machen".

Die Arbeiten Spending Time, 2021 und Saving Time, 2021, sind zwei schwarze Automaten, aus denen man Objekte zum Einheitspreis von zwei Euro erwerben kann. In Anspielung auf das Thema: "die Ökonomie von Zeit, Geld und Aufmerksamkeit", kann derjenige, der Geld einwirft, Besitzer eines Steins werden, den die Kinder des Künstlers am Strand gesammelt haben, oder eines Abgusses dieser Steine aus schwarzem Jesmonit, um den massengefertigte Uhren gewickelt sind, oder Porzellan-Nachbildungen von Steinen, die mit einem Geotag von GPS-Koordinaten geprägt sind, oder der ISBN eines Buches, oder Zahlen, die einen wichtigen Moment der modernen Geschichte bezeichnen.

Mit Within your own margins, 2021 bietet Gander im Oxfam Bookshop in Kortrijk eine Serie von gebrauchten Büchern zum Verkauf an. Jedes Buch trägt den Stempel des Künstlers in schwarzer Tinte mit einem von zwei Texten: "Aufmerksamkeit ist dein größtes Kapital" oder "Innerhalb dieses Bandes werden Zeit und Raum durch dich radikal verändert".

In Search of Time, 2021 besteht aus zehn Bronzeskulpturen. Nach dem gleichen Motiv wie die Jesmonitabgüsse im Automaten platzierte Gander diese Bronzeausgaben an obskuren, ungewöhnlichen Orten in der Stadt. Eine Karte führt vom Stadtzentrum aus zu diesen Orten, an denen man normalerweise achtlos vorbeigehen würde - ein kurzer Spaziergang. Wie auf einer Schatzsuche lädt Gander Sie ein, urbane Geschichten und vergessene Teile der Stadt zu entdecken.
Ryan Gander, In search of time, 2021, Bronze Edition, abgebildet an einem Strand in der Nachbarschaft des Künstlers. Photo © Ryan Gander, Courtesy der Künstler
 

LUMA Arles

Photo © Adrian Deweerdt
LUMA Arles, ein 11 Hektar großer Kreativ-Campus im Parc des Ateliers in der Stadt Arles, wurde am 26. Juni eröffnet. Arbeiten von über 45 KünstlerInnen und DesignerInnen sind im Eröffnungsprogramm zu sehen, mit speziellen neuen Auftragsarbeiten für LUMA von bedeutenden internationalen KünstlerInnen.

Das Herzstück des Geländes ist der 15.000 Quadratmeter große Turm von Frank Gehry, eine gewundene geometrische Struktur, die mit 11.000 Edelstahlplatten verkleidet ist. Der Turm beherbergt Ausstellungsräume, Projekträume und die Forschungs- und Archiveinrichtungen des LUMA, sowie Workshop- und Seminarräume.

Der Turm beherbergt Philippe Parrenos permanente Auftragsarbeit Danny und Liam Gillicks Entwurf für die Aufenthaltsräume mit dem Titel Laguna Gloria. Darüber hinaus sind im Tower eine Auftragsarbeit von Tino Sehgal, This Element, und Werke aus der Sammlung zu sehen, darunter Anri Salas Film If and Only If von 2018 und Dominique Gonzalez-Foersters Virtual Reality Environment, Endodrome, das auf der Biennale von Venedig 2019 präsentiert wurde. The Library is on Fire, eine neue Auftragsarbeit von Dominique Gonzalez-Foerster und Charles Arsène-Henry, wird im September 2021 eingeweiht werden. In der industriellen Grande Halle im Parc des Ateliers wird bis Oktober 2021 die Ausstellung After UUmwelt von Pierre Huyghe zu sehen sein.

Der Campus beherbergt auch sieben ehemalige Eisenbahnfabriken, von denen vier von Selldorf Architects als Ausstellungs- und Performance-Räume renoviert wurden. Die umliegenden Gärten und der öffentliche Park wurden von dem Landschaftsarchitekten Bas Smets entworfen.
 

Cemile Sahin – Akademie der Künste, Berlin

Film Still: Cemile Sahin, Bad People, Bad News, 2021, Essayistische Filminstallation, Kurdisch mit englischen Untertiteln. © Cemile Sahin⁠
Cemile Sahin, Bad People, Bad News, 2021 ist in der Ausstellung Arbeit am Gedächtnis Transforming Archives in der Akademie der Künste, Pariser Platz, Berlin bis zum 19. September 2021 zu sehen.

In diesem essayistischen Film werden die unterschiedlichen Kontexte, Geschichten und Erfahrungen von drei kurdischen Frauen erzählt und miteinander verwoben. Sie treffen sich jedes Jahr in einer anderen Präsidentensuite eines Hotels, um den Tod des Ex-Präsidenten und Diktators Saddam Hussein zu feiern. Im Mittelpunkt steht dabei eine Box, die sie immer bei sich tragen. Es ist ein Archiv von Zeichnungen, Texten und Ereignissen, das sie nach Husseins Tod angelegt haben. Aus dieser Sammlung schöpfen sie Details und Stichwörter, die ihre Geschichten immer wieder in Gang setzen. Auf diese Weise entsteht eine Gesamterzählung über Staaten, Diktaturen, Denkmäler, Terror und Fragen nach Macht und Deutungshoheit, Originalität und Fälschung. Der Film widersetzt sich der Inszenierung von Medienbildern, indem er sie ganz vermeidet, und verhandelt die Möglichkeiten der Erinnerung selbst, indem er eine Geschichte über das Verschwinden erzählt.
 

Martin Boyce und Thomas Demand – CAMERE CHE SOGNARONO CAMERE

Austellungsansicht: CAMERE CHE SOGNARONO CAMERE, mit Thomas Demand und Martin Boyce, Fotografia Europa, 2021⁠⁠. Photo © Dario Lasagni © VG Bild-Kunst, Bonn 2021⁠⁠
Diesen Sonntag, den 4. Juli 2021, schließt CAMERE CHE SOGNARONO CAMERE, ein Projekt für die Girefin Contemporary Art Collection, ein Dialog zwischen den Werken von Thomas Demand und Martin Boyce. Die beiden Künstler arbeiten seit vielen Jahren mit Fotografie, nutzen das Medium aber auf sehr spezifische Weise.

Sie wollen mit ihren Arbeiten einen dichten visuellen Dialog auslösen, der ein inspirierendes und komplexes Erlebnis bietet und Referenzen, Erzählungen und Assoziationen verknüpft. Die Ausstellungsarchitektur von Thomas Demand sorgt für eine besondere und eindrucksvolle Begegnung mit den Kunstwerken innerhalb des palastartigen Ausstellungsraumes.

Das offizielle Ausstellungs-Instagram ist @camerechesognaronocameremostra
 

Gabriel Kuri – Saint-Martin Bookshop, Brüssel

Photos © Kristien Daem
Gabriel Kuris Offering, 2021, eine mehrteilige Skulptur für den Saint Martin Bookshop, besteht aus einer Reihe skulpturaler Requisiten, die in einer großen hölzernen Kiste eingebettet sind, die mit speziell angefertigtem Schaumstoff ausgekleidet ist.

Die in den Schaumstoff eingebetteten Objekte scheinen sowohl eine Biografie als auch einen Überblick über wichtige Themen in der Praxis des Künstlers zu konstruieren: ein gebrauchtes Wörterbuch, eine abgenutzte Brieftasche und ein veraltetes Mobiltelefon stehen im Mittelpunkt. Eine überdimensionale Kreditkarte mit dem Namen des Künstlers, eine ebenso große Münze und Lottoscheine verweisen auf Währung und Tausch. Auch Steinbrocken und Muschelschalen haben in der Vergangenheit schon in Kuris Skulpturen eine Rolle gespielt.

Einen Monat lang, bis zum 8. Juli, finden jede Woche zwei oder mehr dieser Elemente ihren Weg aus dem Kunstwerk auf die Auslagetische, die durch die Schaufenster von der Straße aus sichtbar sind.

Dieter Roelstraete hat einen sehr schönen Text über das Projekt geschrieben. Sie finden ihn
HIER
Exhibition view: Gabriel Kuri, Offering, Saint-Martin Bookshop, 2021. Photo © Kristien Daem
Anlässlich der Präsentation, hat Gabriel Kuri auch eine spezielle Edition komplett aus Papier mit dem Titel Offering (to Saint-Martin), 2021 produziert

Inspiriert von Opfergaben aus Joss-Papier, die bei Beerdigungen in Hongkong weit verbreitet sind, enthält Kuris Edition auch realistische räumliche Papierdarstellungen von materiellen Objekten der Sehnsucht, des Wunsches und des Status. Diese Papierschachteln mit Darstellungen von Waren und Konsumartikeln - von generischen bis hin zu markenspezifischen - werden zeremoniell verbrannt, um aufzusteigen und den Verstorbenen ins Jenseits zu begleiten, um ewigen Reichtum oder das, was sich der Einzelne vielleicht gewünscht hat, aber nicht leisten konnte, zu bringen.

Wie diese traditionellen Opfergaben sind auch die von Kuri mit Worten und Sätzen verziert, die auf die Transzendenz einstimmen. Kuri hat im Laufe der Jahre ein ständiges Interesse an der Herstellung von Büchern bewiesen, mit besonderem Interesse an Papier, sowohl wegen seiner Materialität als auch wegen seiner Eigenschaften als Träger von Informationen und Werten. Parallel zum Echo oder der Repräsentation von Kunstwerken in der Buchform, bietetOffering eine leichte und verkleinerte portable Version einer ansonsten größeren Präsenz, die durch ihre potentielle Verwandlung in Asche und Rauch noch verletzlicher wird.
Die Edition können Sie HIER bestellen.
Gabriel Kuri, Offering (to Saint-Martin), 2021, Papier in ph neutralem Cellophane, 28 x 45 x 4 cm, Edition von 200. Herausgegeben von Saint-Martin Bookshop. Photo © Gabriel Kuri
 

The Reading Corner

<b>Etienne Chambaud</b> / Vincent Normand<br>Counter History of Separation<br>

Etienne Chambaud / Vincent Normand
Counter History of Separation

2016
Verlag: Paraguay Press
Sprachen: Englisch, Französisch

Available Here

<b>Rosa Barba</b><br>

Rosa Barba

From Source to Poem
2017
Verlag: Hatje Cantz
Sprachen: Englisch, Italienisch

Available here

<b>Simon Fujiwara</b><br>

Simon Fujiwara

Hope House
2019
Verlag: Kunsthaus Bregenz
Sprachen: Englisch, Deutsch

Available here

<b>Ari Benjamin Meyers</b><br>

Ari Benjamin Meyers

Tacet in Concert
2019
Verlag: Corraini Edizioni
Sprache: English

Available here

<b>Cemile Sahin</b><br>

Cemile Sahin

ALLE HUNDE STERBEN
2020
Verlag: Aufbau Verlag
Sprache: German

Available here

 
 
Esther Schipper GmbH, Potsdamer Stra├če 87, 10785 Berlin